In der Früh war die Küche schon warm, und auf dem Tisch stand mehr, als drei Leute essen können.
Lydia sagte etwas zu Brenda, während sie einschenkte, und Brenda antwortete mit einem Wort. Dann sagte Lydia noch etwas, länger, und schaute dabei nicht auf.
Brenda übersetzte es nicht, und Rudl fragte nicht.
Beim Weggehen drückte ihm die Frau ein Papiersackerl in die Hand, in dem etwas Schweres war, und sagte dazu einen Satz auf Englisch, den er nicht verstand. Er bedankte sich auf Deutsch. Beide waren damit zufrieden.
*
Sie fuhren zurück auf die Fernstraße, und Rudl rechnete.
Der Bus war gestern Abend in Des Moines gewesen. Heute war Freitag. Ein Reisebus steht in einem Hotel nicht herum, ein Reisebus fährt weiter, und die Reiseleiterin hatte einen Plan, auf dem für jeden Tag ein Ort steht.
Das hieß, sein Reisepaß war seit gestern Abend weitere dreihundert Meilen nach Westen unterwegs, und er kam nicht schneller nach als der Bus voraus.
Er rechnete es zweimal, und es kam beide Male dasselbe heraus.
„Sie holen ihn nicht ein“, sagte Brenda.
„Weiß ich.“
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Um zehn fuhren sie eine Autobahnabfahrt hinunter, weil der Impala Sprit brauchte und weil Rudl seit dem Vorabend nicht auf einer Toilette gewesen war.
Es war eine große Anlage, mit einem Dach für die Personenwagen und einem zweiten, viel höheren, für die Lastwagen, und dahinter ein Parkplatz, auf dem dreißig oder vierzig Sattelzüge standen und liefen, obwohl niemand darin saß.
Brenda stellte sich an eine Säule.
Rudl stieg aus und ging über den Platz auf das Gebäude zu.
Auf halbem Weg blieb er stehen.
*
Der schwarze Ford stand zwischen den Lastwagen, in der zweiten Reihe, mit der Schnauze zum Feld. Hochgelegt, das Antennenbündel am Führerhaus, die Fahnenstange im Ladebett.
Über dem Ladebett war eine Plane gespannt.
Rudl blieb nicht stehen, weil er den Wagen erkannt hatte. Er blieb stehen, weil er etwas roch.
*
Es war fünf Meter weit weg und es war eindeutig.
Am Mistplatz in der Kendlerstraße hatte er das jeden August. Wenn einer über das Wochenende Fleisch in den Restmüll wirft und der Behälter steht bis Dienstag in der Sonne, dann riecht es genau so, und man riecht es auf zehn Meter, und man weiß beim ersten Atemzug, daß es kein Fisch ist und kein Fett und keine Biotonne.
Süß zuerst. Dann etwas dahinter.
Rudl blieb stehen und atmete und atmete es noch einmal, weil er es genau wissen wollte, und dann wußte er es genau.
*
Er ging weiter, weil Stehenbleiben auffällt.
Im Gebäude war es kalt, und die Klimaanlage fuhr ihm in die Stirnhöhlen wie im Bus seit Chicago. Er ging auf die Toilette, wusch sich die Hände und schaute nicht in den Spiegel.
Bei der Kassa lag zwischen den Kaugummis ein Ständer mit kleinen Schachteln, auf denen ein Mund abgebildet war, und in dem Mund war es weißer als das Papier, auf das man es gedruckt hatte.
Rudl stand davor und schaute es an, bis der Mann hinter ihm etwas sagte.
*
Im Wagen sagte er nichts, bis sie oben auf der Fernstraße waren.
„Der schwarze Wagen steht dort hinten.“
Brenda schaute in den Spiegel und dann wieder nach vorn. „Ich weiß. Ich habe ihn gesehen, wie wir hineingefahren sind.“
„Und Sie haben nichts gesagt.“
„Ihr wart schon draußen.“
Rudl schaute eine Weile auf die Fahrbahn.
„Da ist wer drin“, sagte er dann.
„Wo?“
„Hinten. Unter der Plane.“ Er suchte nach etwas, das nicht wie eine Behauptung klingt, und fand nichts. „Ich hab dreißig Jahr mit dem zu tun gehabt. Ich weiß, wie das riecht, wenn was zwei Tage in der Sonne steht.“
Brenda sagte nichts.
„Es ist kein Tier“, sagte Rudl. „Bei einem Tier riecht man das Fell.“
*
Sie fuhren eine Meile, ohne daß einer etwas sagte.
„Dann muß man es melden“, sagte Brenda.
Und da fing Rudl an, es ihr aufzuzählen, so wie er es sich selber schon aufgezählt hatte, während er über den Platz ging.
Er hat keinen Reisepaß. Er hat kein Englisch. Er hat in der Sakkotasche zwölftausendsiebenhundert Dollar, die einem anderen gehören, und ein Gerät, von dem er nicht weiß, was drauf ist, und über beides gibt es eine Niederschrift, die inzwischen der Mann hat, um den es geht. Und wenn er sich irrt und da hinten liegt ein Reh, das einer angefahren hat, dann ist er der Ausländer, der wegen eines Rehs die Polizei geholt hat und keine Papiere dabei hat.
Brenda hörte es sich an bis zum Schluß.
„Und wenn ihr euch nicht irrt?“
Darauf sagte Rudl nichts, und sie fragte auch nicht weiter, und der Kukuruz lief links und rechts weiter wie den ganzen Tag davor.