
Der Fahrer setzte ihn auf der Zufahrt ab, weil er näher nicht hinkam.
Der Sammer stieg herunter, was bei so einem Führerhaus länger dauert, wenn man siebenundsiebzig ist, und stellte sich hin und schaute auf die Szenerie, die sich vor ihm auftat.
Die Sonne war weg. Über den Feldern stand noch ein Streifen, orange und schmal, und darüber war der Himmel schon dunkel. Auf dem Schotterplatz vor dem Gasthaus standen sechs oder sieben Fahrzeuge, und auf vieren davon drehte sich etwas.
Rot und blau, rot und blau, über die Blechwand des Silos, über die Zapfsäulen, über die Fliegengittertür.
Der Sammer hatte so etwas zuletzt in Klagenfurt gesehen, vor Jahren, bei einem Unfall an der Umfahrung.
*
Ein Band war gespannt, von einem Pfosten zum anderen, gelb, mit schwarzer Schrift darauf. Dahinter standen Leute in verschiedenen Uniformen und redeten miteinander, und einer machte Fotos, immer wieder, mit einem Blitz, der jedes Mal für einen Augenblick heller war als das ganze übrige Licht.
Die Tür zum Diner war offen und mit einem Ziegel aufgehalten.
Der Sammer ging näher heran, bis zum Band, und schaute hinein.
Von hier aus sah man den Tresen. Auf dem Tresen stand eine Kartonschachtel, halb voll, und daneben lagen ein paar Pommes auf der Platte, die dort hingefallen und liegen geblieben waren.
Sonst war niemand drinnen.
*
Einer kam herüber und sagte etwas.
Der Sammer schaute ihn an und legte die Hand ans Ohr, so wie man das macht, und der andere sprach lauter, aber nicht deutlicher. Er hatte einen Hut auf und eine Weste über dem Hemd, und an der Weste war etwas Metallenes.
Der Sammer nahm den Reiseplan aus der Innentasche und hielt ihn hoch. Er zeigte auf die Zeile mit diesem Ort, dann auf sich, dann auf den Boden.
Der andere schaute auf das Papier und dann auf ihn.
„Ich such einen Mann“, sagte der Sammer. „Er ist von uns. Der Brandstetter.“
Der andere verstand nichts. Das sah man.
*
Dann kamen zwei mit einer Bahre aus der Tür.
Es lag etwas darauf, unter einer Decke, und sie trugen es über den Schotter zu einem Wagen, der hinten offen stand, und schoben es hinein. Einer der beiden hielt dabei die Decke fest, wegen dem Wind.
Der Sammer schaute neugierig hin.
Und dann wurde ihm leichter, und er schämte sich dafür nicht, weil man sich für so etwas erst später schämt.
Was da auf der Bahre lag, war zu klein für den Brandstetter.
*
Er blieb stehen, wo er stand.
Der mit dem Hut war weggegangen und hatte mit zwei anderen geredet, und einer von denen hatte dabei zu ihm herübergeschaut. Jetzt kamen sie zu zweit zurück.
Der Sammer hatte den Reiseplan noch immer in der Hand.
Er dachte, jetzt wird es sich klären, jetzt bringen sie einen, der Deutsch kann, und dann sag ich ihnen, wo ich hergekommen bin und wen ich suche.
Der eine sagte etwas und deutete auf den Reiseplan.
Der Sammer gab ihn her.
Der andere sagte etwas dazu und deutete auf die Innentasche, und der Sammer wußte, was gemeint war, weil man das überall auf der Welt versteht, und holte den Reisepaß heraus und hielt ihn hin.
Der Mann nahm ihn und klappte ihn auf und schaute lange hinein.
Dann sagte er etwas, freundlich, und legte dem Sammer die Hand auf den Rücken und schob ihn ein Stück in Richtung von einem der Wagen. Den Reisepaß behielt er in der anderen Hand.
Und der Sammer, weil er nicht verstanden hatte und weil man höflich ist, nickte.