Am Montag war das Labor voll.
Drei Leute, zwei Frauen und ein junger Mann, und alle drei saßen an ihren Plätzen unter den Lampen und arbeiteten, bevor der Sammer und Prantl hereinkamen. Es roch schärfer als am Samstag, nach etwas Heißem.
Der Sammer setzte sich auf denselben Sessel neben der Tür wie am Samstag, weil er wußte, wo er nicht im Weg ist. Das hatte er vierzig Jahre lang gewußt.
Prantl zog das Sakko aus, hängte es über die Lehne und ging herum. Bei jedem blieb er stehen, schaute auf das, was dort lag, und sagte zwei oder drei Sätze auf Englisch.
Beim jungen Mann blieb er länger.
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Der Bursch arbeitete an etwas, das der Sammer von seinem Platz aus nicht erkannte, und Prantl nahm es ihm aus der Hand, hielt es unter die Lampe und drehte es.
Dann gab er es zurück und sagte etwas, und der Bursch nickte und hielt sein Werk wieder unter die Lampe.
Prantl kam zum Sammer herüber.
„Zu weiß“, sagte er, ohne daß ihn wer gefragt hatte. „Bei einem Fünfundsechzigjährigen macht man das nicht so. Das schaut aus wie hineingesteckt.“
„Und was macht man?“
„Man geht zwei Stufen zurück. Dann glaubt es einem auch der Nachbar.“
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Um zehn läutete das Telefon.
Prantl ging hin, sagte seinen Namen und hörte zu.
Der Sammer saß fünf Meter weg und verstand kein Wort.
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Er hat trotzdem gewußt, was los ist, bevor der erste Satz zu Ende war.
Nicht an der Sprache. An der Hand. Prantl hatte sie an der Tischkante liegen gehabt, so wie einer, der im Stehen telefoniert, und dann hat er sie weggenommen und wieder hingelegt, ein Stück weiter links.
Im Werzer hat er das bei den Rechnungen gesehen. Manche legen die Hand wieder hin, wo sie war. Manche nicht.
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Prantl redete noch eine Weile, kurz und in Sätzen, die man an einem Punkt zu Ende gehen hört. Dann sagte er etwas, das eine Frage war, und dann schrieb er sich etwas auf.
Dann legte er auf und blieb stehen, wo er stand.
„Sie haben ihn.“
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Der Sammer stand auf.
„Wo?“
„In Iowa. Auf der Achtzig, heute in der Früh.“ Prantl schaute auf den Zettel. „Sie haben in Illinois angerufen, und Illinois hat mich angerufen, weil in der Akte meine Nummer steht.“
„Und was ist mit ihm?“
„Er sitzt in einem Zimmer wie Sie am Freitag. Er hat keinen Paß und kein Englisch, und die Frau, die bei ihm war, ist mit ihrem Wagen weggefahren, weil sie ihr nichts vorwerfen können.“
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Der Sammer setzte sich wieder hin.
„Fahren S‘ hin?“
„Iowa ist auch nicht meins.“
„Das war Illinois auch nicht.“
Prantl schaute ihn an.
„Nein“, sagte er. „Das war es nicht.“
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Er ging zum Schreibtisch, machte die Mappe auf und nahm die Blätter heraus, die der Sammer am Samstag geschrieben hatte, alle vier.
Er blätterte bis zur zweiten Seite und legte den Finger auf die Stelle mit dem Gerät im Führerhaus.
„Das da ist das Einzige, was für ihn spricht.“
„Das ist gar nichts.“
„Das ist mehr als gar nichts. Das ist eine Aussage von einem, der dabeigesessen ist, geschrieben zwei Tage danach, ohne daß ihn wer gefragt hat.“ Prantl legte die Blätter vor ihn hin und drehte sie um, so daß die Schrift zu ihm zeigte. „Es fehlt noch etwas.“
Der Sammer schaute darauf.
Unten war Platz.
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„Unterschreiben S‘ es“, sagte Prantl. „Mit dem Datum. Und schreiben S‘ dazu, wo Sie es geschrieben haben und wann.“
„Ich bin kein Zeuge.“
„Sie sind der einzige.“
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Der Sammer nahm den Kugelschreiber.
Er hat in vierzig Jahren viel unterschrieben, Lieferscheine, Abrechnungen, zweimal im Jahr die Inventur, und immer war es etwas gewesen, was ohnehin gestimmt hat und was ein anderer nachgezählt hatte.
Jetzt schrieb er seinen Namen unter etwas, das er nicht verstanden hatte, als es passiert ist.
Er schrieb ihn langsam, weil er anders nicht mehr schreiben konnte.
Dann hielt er an.
„Der wievielte ist heute?“
Prantl mußte selber nachdenken. Dann sagte er es, und der Sammer setzte es daneben und darunter die Stadt.
Dann schob er die Blätter zu Prantl hinüber, so wie man einen Teller hinstellt.